Mein Partner erkennt meine Leistungen nicht an, immer ist alles selbstverständlich.

Die Tendenz sich selbst und Andere in Rollen zu drängen hat eine Auswirkung die vielen Paaren sehr zu schaffen macht, nämlich die automatische Zuständigkeit. Zu vielen Rollen gehören nämlich automatisch Aufgaben, die erledigt werden "müssen". Wenn jemand eine bestimmte Rolle inne hat, dann hat derjenige auch bestimmte Aufgaben zu erledigen. Erledigt sie/er die Aufgaben nicht, dann gibt es in irgendeiner Form Ärger. In diesem Zusammenhang kann man von automatischer Zuständigkeit sprechen. Um es etwas anschaulicher zu machen, möchte ich eine immer noch typische Rollenentwicklung in vielen Beziehungen darstellen:

Typische Mann Frau Verteilung

Die Rollenbeschreibungen sind folgendermaßen: Der Mann arbeitet und sorgt für die Ernährung der Familie, die Frau übernimmt den Haushalt und Kindererziehung. Der Einfluss dieser Rollenverteilung beginnt meist dann unheilvoll zu wirken, wenn das Paar nur ungenügend und verhaftet in der funktionalen Art der Kommunikation darüber spricht, wer nun welche Aufgaben übernimmt. Oft geht die Frau stillschweigend davon aus, dass ihr Partner natürlich auch Haushalts- und Erziehungsaufgaben übernimmt, sie spricht das Thema aber nicht, oder eben nur halbherzig funktional an. Daher wird sie immer wieder von ihrem Partner enttäuscht. Meistens geht es noch irgendwie gut, solange es im Haushalt keine Kinder gibt und beide eine eigene Arbeit haben. Wenn aber aus dem Paar eine Familie wird, dann rutscht die Frau meist vollends in die Mutterrolle und gibt zumindest für eine gewisse Zeit ihre Arbeit auf. Nun kommt sie meist völlig in die Hausfrauenrolle und muss alle anfallenden Arbeiten inklusive Kindererziehung erledigen. Ihre nur leicht endtäuschten Erwartungen am Anfang werden nun für sie zu einer extremen Enttäuschung.

Der Mann hingegen wird sich immer mehr in seine Welt außerhalb der Familie, seinen Beruf und seiner Rolle als Ernährer der Familie einleben. Er glaubt dadurch alles für die Familie zu tun und glaubt auch, dass er zu Hause von seiner Frau dafür geschätzt wird. Statt aber Schätzung zu erfahren, bekommt er von seiner Frau Kritik und Ärger. Sie wirft ihm vor, dass er ein Pascha und ein Patriarch ist und sie mit allem was Haushalt und Kinder betrifft alleine lässt. Die Frau glaubt nun, dass sie ihren Partner mit diesen Vorwürfen wachrütteln kann, was ihr aber nicht gelingt. Dies eben deswegen, weil er aus seiner Sicht nur unberechtigte Vorwürfe hört. Er ärgert sich darüber, weil er doch glaubt alles Erdenkliche für seine Partnerin und seine Familie zu tun und ihm eigentlich nichts vorzuwerfen ist.

Nun kommt es meist zu dem Punkt, da die Kommunikation sich sehr oft nur noch darum dreht, wer Recht hat und wie sehr der Andere sich im Unrecht befindet. Der Mann spielt dabei oft seine Macht über das Geld aus. Er erzählt seiner Frau nichts über seine Berufswelt und was er dort erlebt. Im Gegenzug enthält die Frau dem Mann wichtige Informationen die Familie und die Kinder betreffend vor, lässt also hier ihren Mann im Dunkeln tappen. Der Mann beginnt Dinge die in Wohnung, Haus und Garten zu erledigen sind, zu vergessen. Beide machen dann oft nichts mehr aus oder halten sich nicht an Abmachungen und ärgern sich nur noch ständig über den Anderen und so fort. Diese Streite um "wer nun im Recht ist" resultieren aus der verschiedenen Auffassung, welche Aufgaben nun mit der jeweiligen Rolle des Anderen verbunden sind.

Wie schützen Sie sich vor einer solchen Entwicklung?

Wie wir schon festgestellt haben, ist ein Streit "wer Recht hat" ein Streit der immer in eine Sackgasse führt und braucht daher nicht geführt zu werden. Also hören Sie zunächst damit auf, sich gegenseitig Rollen zuzuweisen, indem Sie sich über Zuständigkeiten streiten. Nach meiner Erfahrung ist es am vorteilhaftesten, wenn man überhaupt keine generellen Zuständigkeiten ausmacht und jeder für alles zuständig ist. Das führt dazu, dass man sich jeden Tag Moment für Moment ausmacht, was jeder macht. Mit diesem Trick kommen keine Langeweile und auch keine Rollen auf. Ist jeder Zuständig, dann kann sich keiner mehr über nicht hinuntergebrachten Müll aufregen, weil derjenige sich dann über sich selbst aufregen würde. Wenn man aber der Meinung ist, dass man selbst schon genug gemacht hat und nun der Partner dran ist, sich um den Müll zu kümmern, so teilt man diese Überlegung dem Partner mit und es kann eine Einigung darüber erzielt werden wer es nun diesmal erledigt. Die Grundregel lautet, dass es in der Partnerschaft keine automatischen Zuständigkeiten gibt. Alles, von der Zuständigkeit für den Müll bis zur Pflege des Gartens, des Autos, dem Putzen und Kochen, der Kindererziehung, dem wer trägt welche Kosten, dem Wäschewaschen, den Reparaturen, fällt prinzipiell in den Zuständigkeitsbereich von Beiden. Über alles wird gesprochen und immer wieder neu ausgemacht. Ich kann Ihnen in diesem Zusammenhang auch versichern, dass der Zeitaufwand um sich immer wieder neu abzusprechen, wesentlich geringer ist, als der Zeit die Sie verschwenden, weil Sie sich über starre Regeln und Rollen ärgern und deswegen ihrem Partner böse sein müssen und dann nicht mit ihr/ihm sprechen.

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Kontakt

Mag. Hermann Oberdanner
Eingetragener Mediator
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5300 Hallwang-Mayrwies
Tel. +43 699 12172117
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